Tastend Innenstadt am Modell erkundet

MARKTPLATZ Ein in Messing gegossenes Relief erlaubt Blinden und Sehbehinderten eine Orientierung in der Innenstadt. OB lobt alle Beteiligten.
VON REINHARD WEHDEN

NEUBRANDENBURG. „Wo wohnt eigentlich Kuddel?“ Ein Freund fasst die Hand der Blinden und führt sie über die Stargarder in die Badstüberstraße zu einem Haus. „Hier!“ – Seit gestern können sich auch Sehbehinderte im Handumdrehen in der Innenstadt orientieren.

Am neuen Marktplatz gegenüber der Stadtinformation an der Stargarder Straße enthüllte Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) ein Reliefmodell der „Neubrandenburger Innenstadt 2009“ aus Messing. Wie ein Pult ist die 1,20 mal 1,20 Meter große Platte auf einen der Steinsockel montiert und dürfte in dieser detaillierten Ausführung einmalig im Lande sein. Auch Karin Gehlhaar, Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenverbandes in Neubrandenburg, zeigte sich begeistert. Sie ertastete die Konzertkirche – „schön, die ist ja toll“ – und freut sich, ihr Wohnhaus in der Waagestraße zu entdecken. „Wo sind die Leute, die das gemacht haben, ich will ihnen danken.“ Für den Dank fand auch der OB viele Adressaten: Schon 2005 sei die Idee mit dem besonderen Stadtmodell entstanden. Thomas Verch, damals Behindertenbeauftragter, habe sie vorangebracht. Dieter Murawski, der Vorsitzende des hiesigen Arbeitslosenverbands, verwies auf Martin Lippold, den „Vorarbeiter“ aus der Modellwerkstatt, wo mit Hilfe des Vier-Tore-Job-Services neben den Arbeiten für den Modellpark dieses Relief entstand. In gut dreijähriger Arbeit, zunächst als Kunststoffmodell in einer Jugendmaßnahme. Nach Korrekturen und der notwendigen Umsetzung in Holzausführung ging die Aluminium- und Messinggießerei von Peter Bunge in Torgelow ans Werk. „Das war eine knifflige Arbeit, jeder kleine Hinterhof musste beim Gießen deutlich herauskommen. Eine Herausforderung für uns“, sagte er gestern und freute sich über das viele Lob für das 250 Kilogramm schwere, mit einem Schutzanstrich überzogene Werk – mit Stahlblechsockel wiegt es sogar 300 Kilo. Wichtigen Anteil hat die Sparkasse Neubrandenburg- Demmin, von der die Kosten von 6500 Euro getragen wurden. „Unsere Sparkasse ist auch in Krisenzeiten nicht nur in Finanzangelegenheiten ein verlässlicher Partner, sondern zeigt sich als kommunale Einrichtung wie bei diesem Projekt dem Gemeinwohl verpflichtet“, sagte Krüger.